Das Problem mit der Maske

Ich nehme mal an, viele von euch erahnen bereits, was ich meine. Diese Maske setzen wir auf, sobald wir das Haus verlassen und uns unter andere Menschen begeben. Es fühlt sich an, wie ein innerer Druck, der unseren Puls lässt in die Höhe schießen, ein Widerstand, gegen welchen Widerstand beinahe zwecklos ist.

Eine Art innerer Konformitätsdruck, welcher uns innerlich auffrisst; während der andere Teil da draußen zeigen will, wer wir sind, ohne die Rücksicht auf andere. Ist es die Angst, was passiert, wenn die anderen sehen und darüber urteilen könnten, wer man selber ist?

Was ist das Ich?

Diese Frage ist bei Weitem nicht leicht zu beantworten – sogar gar nicht leicht. René Descartes formulierte einst den folgenden Satz:

Ich denke, also bin ich.

René Descartes

Hier widerspreche ich Descartes, denn jeder der schon einmal meditiert hat, weiß das Gedanken vergleichbar mit Wolken sind: sie kommen und gehen. Wenn wir uns zu sehr mit unserem Denken identifizieren, entwickeln wir ein dickes Ego drumherum und blockieren uns selbst. Jedoch sollten wir auch achtsam sein, was wir denken.

Dies hört sich vielleicht zunächst wie ein Widerspruch an, ist es aber nicht. Auf der einen Seite meine ich: Unser Denken ist nicht das Ich. Und auf der anderen meine ich: Wir sollten achtsam sein, was wir denken. Denken wir nur negativ über diese Welt, ziehen wir negative Umstände in unser Leben, stimulieren unser Unterbewusstsein negativ. Dies wiederum führt zu einer permanent vorhandenen negativen Einstellung zum Leben.

Eine relativ lange Zeit habe ich in genau jener Opferrolle gelebt, bis ich den Entschluss fasste, mich zu befreien.

Aber was ist denn nun eigentlich das Ich? Das Element, was wir unser Selbst nennen können?

Ein weiterer Vorschlag wäre, dem Materialismus des 21. Jahrhunderts geschuldet:

Du bist, was Du konsumierst.

Diesem Denken unterliegen wohl heute sehr viele Menschen, da sie sich mit dem identifizieren, was sie kaufen, essen und besitzen. Es reicht, sich einmal die sektenartigen Anbiederungen von Steve Jobs und seiner Marke Apple zu Gemüte zu führen, dass es Menschen gibt, welche 3 Tage vor dem Verkaufsstart des neuen iPhones vor dem Apple Store zelten.

Nein. das echte Ich ist mit all diesen einfachen Herunterbrechungen nicht zu beschreiben. Ich selber berufe mich eher darauf, diesem keine wirkliche Definition beizumessen, da ich sonst dazu neige mir ein undurchdringbares Ego zu erschaffen. Ich weiß ja nicht, wie das bei euch aussieht, jedoch ist dies bei mir so. Ich akzeptiere das Ich als etwas nicht statisches, sondern dynamisches, was sich permanent verändert – genaue Definitionen vermeide ich.

Z.B. begann ich mich zu sehr damit zu identifizieren, wie hoch meine Serie an Tagen in NoFap ist, was dazu führte, dass ich am Sonntag einen Rückfall in alte Verhaltensmuster hatte, bzw. das sich die Energie aufstaute bis zur Explosionsgefahr. Sexuelle Energie will fließen, ob nun in echte, gefälschte oder transmutierte Kanäle. Also werde ichNoFap primär passiv neben meinen eigentlichen Projekten betreiben und die Energie in diese Kanäle fließen lassen.

Wieso also nun eine Maske aufsetzen?

Hier spielen gerade in unserer deutschen Gesellschaft eine Menge Faktoren mit ein: Primär lässt es sich mit dem Bedürfnis des Menschen nach sozialer Interaktion und Integration erklären. Viele Menschen hält der hierzulande vorhandene soziale Druck klein, welcher nicht selten dem eigenen Unterbewusstsein noch aus der Erziehungszeit entstammt. So zumindest bei mir: Ich wurde seitens meines Vaters und meiner Großmutter zum Perfektionisten – Fehler wurden gefühlt unverzeihlich geahndet. Und so eine Unterbewusstseinsprogrammierung wieder loszuwerden ist nicht leicht und betrifft viele junge Menschen heute, weswegen es mehr und mehr an Menschen mangelt, die den Mut haben nach draußen zu gehen und Fehler begehen. Manchmal ist diese Angst schon krankhaft, dass man von einer Phobie sprechen kann.

Wie sich dies auf eine Gesellschaft auswirkt, können sich vermutlich die meisten vorstellen: das Klima wird kühl – zumindest ich nehme dies so wahr. Sich diesem zu widersetzen erfordert eine Menge Mut. Und jeder der diesen Mut hat, verdient meinen vollen Respekt, da ich selber weiß, dass es harte Arbeit an sich selbst bedeutet.

Im Internet

Jedoch gibt es auch rationale Gründe, eine Maske zu tragen. Im Internet trage ich eine. Dies jedoch dient nicht mich zu verstellen, sondern mich und meine Familie vor Menschen zu schützen, welchen ich ein Dorn im Auge bin. Wer um meine vergangenen Beiträge weiß, weiß genau, dass meine Kritik sehr häufig politischen Extremisten des linken Spektrums galt und immer noch gilt: Sie verkörpern all das, was ich nicht sein will und ihre kruden Ideen und Theorien werden immer gesellschaftsfähiger und deswegen gehöre ich zu denen, die einen Gegenpol errichten wollen.

Was dies betrifft, werde ich wohl noch ein wenig länger die Guerillataktik fahren müssen, da Angriffe auf Leib und Leben nun einmal nicht mehr unüblich sind. Vielleicht ist dies auch etwas was einige Menschen unbewusst wahrnehmen und sich deswegen lieber die Maske aufsetzen.

Grundsätzlich bin ich auch kein Freund vom Maske aufsetzen, da ich diese Zwiespaltigkeit eigentlich nicht schätze. Jedoch überwiegt hier mein Bedürfnis, niemanden aus meinem persönlichen Umfeld schaden zu wollen, dem Bedürfnis meine eigene Meinung kundzutun. Also bin und bleib ich ein Verfechter der alten Lehre, seine Identität nicht dem Internet preiszugeben.

Im echten Leben

Wie ich vorhin bereits einmal erwähnte, bekam ich im Laufe meiner Erziehung immer wieder beigebracht, dass mir die Welt da draußen keine Fehler verzeiht, sondern mich dafür eisenhart ahnden wird. Was sich jedoch jedes Mal als Irrtum herausstellt – einen halben Nervenzusammenbruch für nichts. Tja, dies ist zumindest die Bürde die ich für die Zukunft abtragen muss. Aber auch wenn sich dies hart anhört, bin ich nach wie vor dankbar für alles, was meine Eltern und meine Großeltern mir mit auf meine Reise gegeben haben, auch wenn es nicht immer nützlich ist.

Und offensichtlich bin ich nicht der Einzige da draußen, der Altlasten mit sich herumschleppt, sondern nur einer von vielen. Wie wäre es mit dem Klassiker:

Hüte dich vor Menschen, die du nicht kennst.

Als Kind nützlich zu wissen, jedoch nicht als Erwachsener, denn da gehört für mich auch dazu mit Fremden zu interagieren. Und selbst wenn, man sollte in der Lage sein, sich verteidigen zu können.

Diese inneren Unsicherheiten sind nicht selten die unbewussten Auslöser für diese konfliktscheue Haltung, einer möglichst quantitativ großen Menge an Menschen zu gefallen, anstatt einer geringen qualitativen Menge, welche wirklich mit einem kompatibel ist.

Aus rationaler Sicht führt eine solche Haltung einem nur zu Unglück im Leben, im Freundeskreis, in der Partnerschaft.

Die Lösung

Für die Sache mit dem Internet, sollte es die rationale Entscheidung eines jeden sein, sich zu deanonymisieren oder zu anonymisieren. Jedoch gibt es z.B. politische Bewegungen da draußen, die darauf setzen, sich mit Klarnamen und echtem Bild von sich im Internet zu zeigen, wie es die Identitäre Bewegung macht. Jedoch ist dies in ihrem Milieu nicht empfehlenswert, da sie sich direkt ihrem politisch extremistischen Gegner ans Messer liefert – was dieser als direkte Einladung versteht. Also sollte hier jeder seine Entscheidung bewusst und rational treffen.

Im echten Leben sieht es da anders aus, da man sein echtes Gesicht nicht verstecken kann, außer man trägt eine echte, physische Maske – was einfach nur affig aussieht. Und so versucht man dann so wenig, wie nur möglich aufzufallen, oder man wünscht sich gleich ein Geist zu sein, wie ich es früher wünschte.

Hier ist die Lösung kein Mausklick, sondern, wenn ich annehme, dass Du im echten Leben Du sein willst, die Erkenntnis wer man selber ist, sowie die Akzeptanz dessen, was man im Spiegel sieht. Nur wenn man diesen Stand erreicht, errichtet man ein Fundament, die beste Version seiner Selbst zu erschaffen. Doch bis dieser Punkt erreicht ist, wird man es sich mit so vielen Menschen verdorben haben, dass man sie nicht mal an einer Hand abzählen kann. Und das ist vollkommen OK!

Doch in diesem Streben, wird man zweifelsohne sein bester Freund, da man dankbar dafür sein wird, was man bisher erreicht hat. Und diese Menschen werden diejenigen sein, die durch ihre Verrücktheit unser Land – nein, den gesamten Erdball – zu einem besseren Ort machen werden. Und dies haben schon viele Frauen und Männer in der jüngeren Vergangenheit geschafft, dass ich glaubend bin, dass in jedem Menschen genau dieses Potenzial lebt. Und wer mit diesem Glauben durch die Welt geht, denkt auch ganz anders über andere inklusive sich selbst und die gefühlte soziale Kälte verwandelt sich in Wärme und Menschen werden sich wohler in Deiner Umgebung fühlen.

Euer PretoX

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